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Mein Niederösterreich von A-Z

 

Projektbeschreibung

(4a – Klasse der VS Krems-Lerchenfeld)    

1.Projektidee:  

Die Schülerinnen und Schüler meiner 4.Klasse sind seit der ersten Schulstufe daran gewöhnt, an Projekten – speziell im Bereich EDV teilzunehmen (zu finden unter: http://www.vskrems-lerchenfeld.ac.at ).

So kam bereits zu Schulbeginn seitens der Schüler die Frage auf, was wir denn heuer machen würden. Natürlich sollte es wieder etwas sein, dass mit EDV zu tun hat. In Anbetracht der Tatsache, dass in einer 4. Klasse Volksschule das eigene Bundesland Thema Nummer 1 im Sachunterricht ist, machte ich den Kindern den Vorschlag, etwas zu machen, das mit dem Begriff Heimat zu tun hat.  

Versuch Nummer 1 und warum er nicht funktionierte:

(Dies nur als kleine Vorgeschichte)  

Das Projekt sollte den Titel „Meine Heimatstadt einst und jetzt“ haben. Die Kinder sollten also eine Gegenüberstellung ausarbeiten. Wie war das Leben früher, wie ist es heute. Wie haben meine Großeltern gelebt? Was hat sich verändert, was ist besser oder schlechter geworden….  

Bereits der erste Auftrag, den ich den Kindern erteilte, erwies sich als nicht wirklich durchführbar. Sie sollten Unterlagen über Krems mitbringen, alte Bilder, alte Bücher, etc….  Die Ausbeute hielt sich in Grenzen.

Von vielen Schülerinnen und Schülern kam die Aussage, dass sie zu Hause nichts hätten. Alle Kinder meiner Klasse, deren ursprüngliche Heimat ganz wo anders ist, wirkten eher verzweifelt. Woher sollten sie auch Unterlagen beschaffen? Manche Familien sind noch nicht einmal 10 Jahre in Österreich. Über ihre eigene Heimat zu berichten, war vielen auch nicht möglich, weil sie sie mitunter ja gar nicht kannten. Ich hatte das Gefühl, dass sich gerade diese Kinder ausgeschlossen fühlten, und das wollte ich auf gar keinen Fall unterstützen, denn es hätte eine Gruppenbildung zur Folge gehabt, gegen die ich in den letzten drei Jahren gekämpft habe.  

Doch ganz aufgeben wollte ich noch nicht. Ich forderte die Kinder auf, eine kurze Selbstbeschreibung zu verfassen und dabei auch auf den Begriff Heimat einzugehen. Was bedeutet Heimat für dich? Was verbindest du mit diesem Wort? Erstaunlicherweise tauchte bei keinem einzigen Schüler die Heimatstadt Krems namentlich auf. Heimat sei Geborgenheit, glückliche Familie, Freunde, Glück, Wohlbefinden….  

Viele Gespräche in weiterer Folge zeigten mir, dass sich das Interesse der Kinder, an dem, was einmal gewesen ist, in Grenzen hält, sofern es sich nicht um „gruselige Schauergeschichten“ über die „strengen Lehrer“ von gestern oder um reißerische Stories über das wilde Leben im Mittelalter  handelt, etc… Kinder in diesem Alter leben noch in der Gegenwart und nur diese zählt. Das „Früher“ ist für sie nicht greifbar und daher nicht wichtig – sie leben jetzt und genau das, was im Moment geschieht, beschäftigt sie. Sie wollen gute Freunde, eine intakte Familie, sie wollen sich geborgen fühlen und Spaß haben.  

Ergo: Die Kinder verloren das Interesse an der Projektidee und ich musste nach etwas anderem suchen, etwas, das die Gemeinschaft fördert, das alle gleichermaßen betrifft und jeden interessiert.  Jedes Kind sollte von der gleichen Ausgangsposition ausgehen können, es sollten verschiedene Arbeitsbereiche angesprochen werden und das Projekt sollte doch etwas mit Heimat zu tun haben.  

Versuch Nummer 2:  

Die zweite Idee, die schließlich auch zum Ziel führte, war die Idee eines „Werkes“ über unser Bundesland Niederösterreich.  

„Wir machen heuer ein Lexikon über Niederösterreich!“  

Dieser Vorschlag fand sofort Zustimmung. Die Kinder konnten mit dem Begriff Lexikon etwas anfangen. Ein Buch haben sie in der zweiten Klasse schon erstellt. Das Vorwissen zum Thema Bundesland war ebenfalls gegeben. So blieben wir dabei und machten uns an die Arbeit.  

2.Projektziele: 

Da die Erstellung eines Lexikons eine äußerst umfangreiche Themenstellung ist, zeigt sich hier die Zielsetzung auch als sehr umfangreich.  

Die Schülerinnen und Schüler sollten:  

  • Wissen ansammeln, ihr Wissen im Bezug auf ihr Heimatland ausbauen.
  • In gemeinsamer Arbeit einem Ziel, nämlich der Fertigstellung des Lexikons entgegenarbeiten, Ausdauer beweisen.
  • Ihre sozialen Fähigkeiten verbessern, sich gegenseitig unterstützen, aufeinander eingehen, zusammenarbeiten.
  • Sich in den verschiedensten Bereichen mit dem Thema auseinandersetzen (fächerübergreifend).
  • Sich grafisch betätigen (Buchstaben erstellen, Selbstbildnisse anhand von Fotos erstellen)
  • Grafiken mit Bildbearbeitungsprogrammen bearbeiten (Zeichen- und Malfilter im Programm Paintshop anwenden, Füllwerkzeuge anwenden, speichern).
  • Begriffe suchen, die zum Thema passen und diese alphabetisch ordnen.
  • Ihre Kenntnisse in Bezug auf EDV-Wissen ausbauen.
  • Lernen, mit dem Medium Internet verantwortungsvoll umzugehen.
  • Erkennen, dass der Computer ein Helfer, ein Werkzeug ist und kein „Riesen-Gameboy“.
  • Suchmaschinen bedienen können um sich Informationen zu beschaffen.
  • Sich Sachinformationen aus anderen Quellen (Büchern…) beschaffen.
  • Sachinformationen lesen und verstehen.
  • Aus Sachinformationen wichtige Elemente herausfiltern.
  • Selbst kurze Sachtexte erstellen. (in Partner- und Gruppenarbeit)
  • Im Internet passende Bilder suchen und speichern können.
  • Kenntnisse in MS-Word ausbauen (Kleine Texte eingeben, Grafiken einfügen und in der Größe bearbeiten).
  • Sich mit dem Begriff Web auseinandersetzen.
  • Den Aufbau einer Internetseite kennen lernen.
  • In ein vorgegebenes Web-Gerüst (MS Frontpage) Texte mittels „kopieren – einfügen“ eingeben und in Schriftart, Farbe und Größe bearbeiten. Bilder auf den einzelnen Html – Seiten an die richtige Stelle setzen.
  • Den Begriff „Link“ und „Verlinken“ kennen lernen.
  • Begreifen, dass man Inhalte, die im Internet anzuschauen sind, an eine Stelle legen muss, die allen zugänglich ist.
  • Freude am gemeinsamen Arbeiten haben.
  • Mit Einsatz für ein gemeinsames Ziel arbeiten.
  • Aufeinander Rücksicht nehmen.
  • Einander helfen und unterstützen.
  • Erkennen, dass man in der Gruppe viel mehr erreichen kann, als als Einzelperson.
  • Zufriedenheit und Stolz nach Fertigstellung empfinden können.

3.Durchführung 1: Lexikon  

Schritt 1: Erstellen der Buchstaben  

Die Kinder schauten sich einige Lexika an um den Aufbau eines solchen zu begreifen. Da ein Lexikon nach dem Alphabet aufgebaut ist, brauchten wir Buchstaben. Diese sollten besonders schön werden. 

Malen macht den meisten Kindern Freude und so fertigten sie im Nu schöne Filzstiftzeichnungen an. Die fertigen Bilder wurden von mir eingescannt und gespeichert. 

Anschließend ging es daran, die Werke zu bearbeiten. Mit einer Shareware Version des Programms Paint Shop wurde das Aussehen der Zeichnungen so verändert, dass man die Filzstiftzeichnung als solches nicht mehr erkennen konnte. Das machte den Kindern großen Spaß und ich musste darauf achten, dass sie nicht zu viel Zeit damit verbrachten, herumzuexperimentieren und unzählige Möglichkeiten auszuprobieren.  

Da dies eigentlich nicht Gegenstand des Projekts an sich ist, möchte ich jetzt darauf verzichten, die einzelnen Schritte im Grafikprogramm zu beschreiben, da dies den Rahmen der Projektbeschreibung sprengen würde. Tatsache ist, dass die Buchstaben sehr gelungen sind.                            

                       Filzstiftzeichnungen                           Bearbeitete Bilder

                

             Jasmin beim Malen                            Philipp, Saskia, Melanie und Verena

     

Schritt 2: Verfassen der Selbstbeschreibungen

Im Schüler – Lehrer – Gespräch einigten wir uns darauf, dass  sich die Kinder auf den ersten Seiten des Lexikons vorstellen sollten. Hier konnten wir größtenteils die im ersten, fehlgeschlagenen Projektversuch erstellten Selbstbeschreibungen übernehmen.  

Die Schüler arbeiteten hier vorwiegend in freien Unterrichtsphasen, nacheinander, da wir nur 2 PCs in der Klasse zur Verfügung haben.  

Die Texte wurden als Erstentwurf in den Computer eingegeben. Das heißt, die Kinder nahmen die von mir überarbeiteten Konzepte und gaben die Texte teilweise ein. Teilweise deswegen, damit sie auf der einen Seite das Gefühl bekamen, es selbst gemacht zu haben, und auf der anderen Seite nicht überfordert wurden. Den größten Teil der Texte diktierten sie mir und ich gab sie ein. Der Grund dafür ist einfach:  

  • Erstens beherrschen Kinder einer Volksschule wohl kaum einen brauchbaren Fingersatz. Würden sie nun Texte von großem Umfang eingeben müssen, würden sie sicherlich einen falschen Fingersatz einlernen (einen wie meinen J und das wollte ich nicht unbedingt unterstützen).
  • Zweitens brauchen sie unbeschreiblich lange um die Buchstaben zu finden. Hätten sie alle Texte selbst eingegeben, hätte das den zeitlichen Rahmen des Projekts gesprengt. (Das betrifft natürlich auch die Sachtexte im Lexikon selbst.) Ich achtete aber sehr wohl darauf, dass die Kinder zumindest einen kleinen Teil selbst machten.

Schritt 3: Zu einer Selbstbeschreibung gehört auch ein Bild  

Wir hätten einfache Fotos nehmen können, doch das wäre zu einfallslos gewesen – unser Lexikon sollte schließlich etwas Besonderes werden. Also tauchte die Frage auf, wie sich die Kinder selbst so darstellen konnten, dass man sie auch erkennen konnte.

Wir machten folgendes:

Ich fotografierte jedes Kind einzeln mit der Digitalkamera und druckte dann die Bilder in DIN-A4 Größe aus. Diese steckten wir in Klarsichthüllen und zogen die Umrisse mit einem Permanentmarker nach. (Diese „Technik“ war den Kindern aus unserm vorigen Projekt bekannt – damals erstellten wir auf diese Weise Ausmalbilder von berühmten Gemälden).

Die fertigen Zeichnungen wurden dann eingescannt und mittels Bildbearbeitungsprogramm verschönert. Die Kinder arbeiteten vorwiegend mit Füllwerkzeugen, etwas das ihnen schon von Bildnerischer Erziehung in der ersten Klasse bekannt war.

Hier zeigte sich die Projekterfahrung der vergangenen Jahre – es reichte, ein oder zwei Kindern die Vorgehensweise zu erklären. Diese wurden dann sofort zum Multiplikator und halfen den anderen.

Natürlich war es von meiner Seite notwendig, besonders beim Nachzeichnen der Konturen, den Kindern helfend unter die Arme zu greifen. (Welche Linie soll ich jetzt nachziehen? Den Mund kann ich aber nicht! Etc… Es kam hier nicht selten vor, dass der erste Versuch entsorgt werden musste. J)

Hier zwei Beispiele  der Selbstportraits:  

          

Vera, Larisa und Verena bei der Arbeit

  

Schritt 4: Wir brauchen Begriffe für unser Lexikon  

Auf der Suche nach Begriffen, die zu Niederösterreich passen und auch wichtig sein könnten….oder, wir nehmen die erste Hürde J….  

Die Kinder arbeiteten meist zu zweit zusammen. Man konnte unschwer erkennen, dass sich das Suchen in manchen Fällen als gar nicht so leichte Übung erwies.  

Was ist denn nun wirklich wichtig?  

Berücksichtigt man, dass das Grundwissen der Kinder über ihr Heimatland bei weitem nicht flächendeckend ist, kann man sich ungefähr vorstellen, wie schwer es hier ist, Wichtiges von eher Unwichtigem zu unterscheiden. Angenommen Sie wären in medizinischem Bereich ein Laie – Sie würden wahrscheinlich mit dem Begriff Aorta etwas anfangen können, aber würden Sie denn wissen, ob der Begriff Cholesteatom tatsächlich nennenswert ist, oder nicht? J  

Ungefähr genauso ging es dabei den Kindern. Sie arbeiteten ohne Unterlass, vorwiegend mit den Niederösterreich-Landkarten. Und was ich letztendlich erhielt, waren endlose Listen von Begriffen. Die Kinder schrieben alles auf, was sie nur finden konnten, alle Ortschaften, jeder auch noch so kleine Schriftzug auf der Karte wurde notiert.

Das heißt:

Hier war eine Nachbehandlung notwendig!  

Ich ging also mit jeder Schülergruppe die Begriffe nochmals durch und wir filterten gemeinsam aus. Übrig blieb eine Liste, die in den Computer eingegeben wurde, und trotz aller Filter ziemlich lang war.  

Schritt 5: Das Ausarbeiten der Begriffe oder …  

Der härteste Brocken des Projekts  

Die Kinder arbeiteten in den Gruppen weiter. Es war zu Beginn natürlich notwendig, den Kindern gewisse Richtlinien vorzugeben.  

Was soll ein Sachtext im Lexikon ungefähr beinhalten?

 Wie lange soll er sein?

 Wo bekommt man denn die Information her?

Wie findet man im Internet eine passende Information?

Wie druckt man sie aus?

 Gibt es noch andere Informationsquellen? .......  

Jede Gruppe legte ein Projektheft an, in das erst einmal alle zu bearbeitenden Begriffe geschrieben wurden.

Das war leicht. J  

Dann ging’s an die Ausarbeitung! Ich ließ die Kinder die ersten Begriffe völlig alleine bearbeiten. Die Ergebnisse waren im wahrsten Sinne des Begriffes verblüffend!! J (Doch leider nicht wirklich zu gebrauchen – was ich auch angenommen hatte.) Ich erhielt seitenlange „Geschichten“, teilweise in einem Deutsch, das sogar mir zu hoch erschien, wissenschaftliche Studienergebnisse, geologische Forschungsberichte aus der Jurazeit, geschichtliche Abhandlungen über die Bedeutung der Monarchie ….. kurzum: erheiternd!!  

Was hatten meine Schützlinge hier nur getan?  

Ganz einfach:

Sie haben Wichtiges von Unwichtigem, Passendes von Nichtpassendem nicht unterschieden. Viele von ihnen gingen den Weg des geringsten Widerstandes, indem sie das anstrengende Lesen gegen das doch viel weniger anstrengende Abschreiben tauschten. „Kann doch nur etwas Tolles sein, wenn es so lang ist – und außerdem kann ja im Internet kein Blödsinn stehen“…..  

Es war also Zeit, den Kindern genau zu erklären, wie sie es besser machen konnten. Ich machte sie auf die richtige Informationsquelle aufmerksam, zeigte ihnen, wo man die richtigen Dinge findet.

Ich versuchte, Ihnen zu zeigen, wie man aus einem langen Text einen kurzen macht und trotzdem die wichtigen Dinge nicht vergisst. Es war ein schweres Unterfangen, denn Volksschulkinder, auch wenn sie schon in der 4. Klasse sind, empfinden es noch immer als äußerst anstrengend, viel zu lesen. Besonders die weniger begabten Kinder ächzten und stöhnten – verständlich!

Wir einigten uns also darauf, dass die Kinder die Informationen mit mir gemeinsam auswählten. Wir suchten leichtere Texte, passende Stellen in Sachunterrichtsbüchern.

Dann wies ich die Kinder an, im ersten Schritt in den gewählten Texten die wichtigen Dinge zu unterstreichen um sie anschließend in einen Text verpacken zu können.  

Nach nicht allzu langer Zeit konnte ich hier eine Kluft zwischen den begabten und den weniger begabten Schülern und Schülerinnen erkennen. Während sich die weniger begabten Kinder weiterhin mehr oder weniger auf das Abschreiben beschränkten, lernten die anderen schnell, übernahmen Begriffe von anderen Klassenkameraden. Die Ausarbeitungen wurden von Mal zu Mal besser.  Die Freude stieg und so kam es nicht einmal vor, dass einige Kinder freiwillig zu Hause  die Projektarbeit fortsetzten.

Es war also hier gar nicht notwendig, die Kinder, denen es eher schwer fiel, den Anforderungen gerecht zu werden, aktiv zu entlasten. Ich brauchte gar nichts zu tun, denn es regelte sich alles von selbst. Die „besseren“ Schüler und Schülerinnen arbeiteten mit Freude zu jeder Gelegenheit freiwillig am Projekt weiter – dadurch wiederum wurde den anderen ein Großteil der Arbeit abgenommen. Keiner allerdings hatte das Gefühl, weniger zu beizutragen als der andere. Denn gerade, die „schwachen“ Kinder hatten das Gefühl extrem viel zu tun, weil sie es als harte Arbeit empfanden.

(Das bestätigte sich auch in den Fragebögen, die ich den Kindern nach Fertigstellung des Lexikons ausfüllen ließ. Nahezu alle Kinder, bei denen ich feststellen konnte, dass sie sich wirklich anstrengen mussten, gaben auf die Frage: Was hat dir am heurigen Projekt nicht gefallen? das viele Lesen und Schreiben an, während ein Großteil der anderen die Frage mit NICHTS beantworteten.)  

Freilich waren die Entwürfe, ganz egal, von wem ich sie erhielt, noch zu überarbeitenJ!  

Denn nahezu alle Kinder hatten Begriffe übernommen, mit denen sie ganz und gar nichts anfangen konnten – sie hatten teilweise Texte geschrieben, die sie selbst nicht richtig verstehen konnten.

(Ich belauschte einmal zwei Mädchen, wobei die eine die andere fragte, was denn imposant heiße. Die andere wusste es auch nicht. Lösung: „Na is eh egal, ich schreib’s einfach!“) So wie hier wurde mit vielen Begriffen verfahren:

Renaissance-Schlösser

romanische Torbögen

 gotische Kapellen

geologische Bruchstellen

mittelalterliche Eisenverschiffung

der Sitz des Protestantismus

etc…

(Um die vielen Lachtränen, die mir beim Lesen der Entwürfe aus den Augen traten, würde mich wahrscheinlich der ein oder andere beneiden! J)  

Ich überarbeitete also zuerst die Entwürfe, ließ allerdings viele dieser Fremdwörter in den Texten. Danach besprach ich mit den Kindern das, was sie ausgearbeitet hatten, und erklärte ihnen die Begriffe, die sie nicht verstanden. Aus diesem Grund entstanden die Fußnoten im fertigen Lexikon.  

Im nächsten Schritt ging es darum, das Grundgerüst des Lexikons in den Computer einzugeben und in Form zu bringen. Hier arbeiteten vor allem Schüler und Schülerinnen, die schnell arbeiten und mit den Aufgaben, die sie im Unterricht zu erfüllen, früher fertig werden, als andere. Ich legte den Kindern ein fertig formatiertes Dokument in MS Word zurecht und erklärte ihnen die einzelnen Schritte:  

  • Einfügen der Buchstabengrafiken
  • Größenmäßige Anpassung
  • Eingeben der Überbegriffe in alphabetischer Reihenfolge
  • Einfügen der Kinderbilder
  • Kopieren und Einfügen der Selbstbeschreibungen

Hier ein Beispiel des Grundgerüsts:  

Das Schreiben der Sachtexte erfolgte ähnlich wie beim Eingeben der Selbstbeschreibungen – einen Teil tippten die Kinder selbst ein, den Großteil diktierten sie mir.

Es dauerte selbstverständlich eine geraume Zeit, bis alle Texte im Computer vorhanden waren.

Auf der Suche nach Begriffen

    

Auf der Suche nach Informationen

  

 Eingeben der Texte

  

 Doch es fehlte noch etwas!

Ein Lexikon ohne Bilder?  

Das würde sich doch niemand anschauen!  

Es ging also an die Bildersuche. Hier half uns die Suchmaschine GOOGLE, die eine eigene Bildersuchmaschine anbietet. Das machte Spaß! Vor allem, wenn man sich unbeobachtet fühlte und dann nicht den zu suchenden Begriff eingab, sondern vielleicht den eigenen Namen und dann unzählige andere „Ichs“ entdeckte, etc…  

Aber auch hier waren einige Hürden zu überwinden: Nicht jedes Hadersdorf liegt am Kamp! Nicht jede Riegersburg ist in Niederösterreich! Unter welchem Namen sollte das Bild gespeichert werden? Wie geht das überhaupt?  

Hier blieb mir nichts anderes übrig, als eine kleine List anzuwenden, zumal wir die Bilder ja auch für den geplanten Internetauftritt (in diesem Fall ist die Größe und auch die Benennung der Bilder von größter Wichtigkeit, da man sonst die Übersicht verliert) des Lexikons verwenden wollten.

Ich ließ die Kinder ihr Werk tun. Sie suchten und speicherten und das mit Freude auch wenn hier Bilder dabei waren, die mit Niederösterreich nicht das Geringste zu tun hatten. Sie lernten dabei mehr oder weniger spielerisch, wie man Grafiken aus dem Internet auf dem eigenen Rechner speichern kann.

Ich selbst aber legte währenddessen einen Ordner mit den richtigen Bildern an. Diesen spielte ich dann einfach über den Kinderordner – Und sie haben nichts gemerkt! J

Screenshot der Google – Bildersuche:

 Einfügen der Bilder  

Nun durfte jede Gruppe die „eigenen“ Bilder ins Lexikon einfügen. Dies fiel keinem einzigen Kind schwer, denn Ähnliches hatten sie im Vorjahresprojekt schon erlernt. Es dauerte wieder eine geraume Zeit bis alle Bilder eingefügt waren.  

Fertig!

Nein, doch noch nicht ganz! J  

Natürlich war dieses Konzept noch zu überarbeiten. Das Seiten-Layout passte natürlich in vielen Fällen nicht, die Bilder waren zu groß oder zu klein, die Veränderung auf Seite 7 veränderte natürlich auch die Seite 45, da das ganze Lexikon in einem Dokument verfasst wurde. Ich musste also jede Seite noch einmal einrichten, so dass auch die Form gefällig aussah. Ich fügte auch die Fußnoten ein, für die die Kinder eine Erklärung wollten. Das Inhaltsverzeichnis wurde auch von mir allein erstellt – die Kinder hätten es wohl zusammengebracht, nur bemerkte ich gegen Ende des Projekts eine gewisse Müdigkeit: Herr und Frau Schüler hatten ihre Arbeit getan. Sie wollten fertig sein und sie waren fertig. Und außerdem, wenn sie doch ohnehin schon so viel gemacht hatten – ein bisschen etwas darf die Frau Lehrerin nun auch zum Projekt beitragen! J  

4.Ergebnis  1  

Das Ergebnis ist ein Lexikon von ca 60 Seiten, ein Werk, das die Kinder mit sichtlichem Stolz betrachten.  

5.Durchführung 2: Internetauftritt  

Hier möchte ich vorweg erwähnen, dass an der Verwirklichung dieses Projektsteils nur jene Schülerinnen und Schüler mitarbeiteten, die auch wirklich wollten, die sich dafür interessierten und es gern taten.  

Schritt 1: Begriffserklärung – Vertraut machen mit dem Begriff Webseite  

Ich erklärte den Kindern anhand unserer Schulseite den Aufbau einer „Homepage“ (natürlich in einfachster, nicht sehr tiefgreifender Erklärung, da dies denn doch etwas zu schwierig gewesen wäre).  

Welche Dateiendung hat ein solches Dokument?

Wie sieht HTML überhaupt aus?

Welches Programm kann uns helfen selbst so eine Seite zu erstellen?

Was bedeutet LINK?

Etc…  

Schritt 2: Erstellung der einzelnen Seiten  

Würde ich jetzt behaupten, die Kinder meiner Klasse haben derartiges alleine und selbstständig erstellt, müsste ich wohl auch behaupten, eine Klasse von Wunderkindern unterrichten zu dürfen.

Dem war natürlich nicht so! Das Grundgerüst des Internetauftritts wurde selbstverständlich von mir selbst in MS - Frontpage erstellt – die Seiten waren vorhanden, Tabellen bereits eingefügt, sodass die Kinder nur noch die Texte aus der fertigen Word – Datei des Lexikons kopieren und einfügen mussten. Wie man Bilder einfügt und Texte bearbeitet, zeigte ich ihnen und das konnten die Kinder im Nu. Interessierte durften auch in meinem Beisein Links zu Folgeseiten einfügen. Besonderen Gefallen fanden sie an der „Vorschau – Funktion“, die ihnen zeigte, was passierte, wenn sie einen selbstgesetzten Link anklickten…  

Zu finden ist die Seite unter folgender Adresse:  

http://www.vskrems-lerchenfeld.ac.at  unter dem Reiter „Projekte  

6.Ergebnis 2: Unser Lexikon im Internet  

       „Das ist mein Buchstabe.“                           „Aggstein hab ich gemacht.“

 

                „Das ist von uns.“                                           „Das bin ich!“

   

7. Durchführung 3: Rätselheft  

Dies sei nur der Vollständigkeit halber angefügt, weil unser Rätselheft noch nicht völlig ausgereift ist.

Die Idee dazu kam von den Kindern selbst, allerdings erst knapp vor Projektschluss!

Sie  arbeiteten in den letzten Tagen fieberhaft an Kreuzworträtseln, Suchbildern, malten Ritter, die Burgen in Niederösterreich suchen sollen, etc…

Im Moment ist ein Teil bereits fertig und ich schicke ihn gerne mit. Die einzelnen Seiten wurden wieder vorwiegend mit dem Programm MS Word ausgearbeitet. Ein Suchrätsel wurde mit dem Programm „Hot Potatoes“ erstellt. Die Idee, Kalenderblätter herzustellen, kam von den Kindern und erforderte keinen sehr großen Aufwand, da die leeren Kalenderblätter schon fast fertig im Computer gespeichert waren. (Die Schüler haben im Dezember 03 einen Kunstkalender erstellt und brauchten daher die einzelnen Blätter nur noch etwas umändern.)  

8.Rückblick  

Wie von mir bereits erwähnt, erhielten die Kinder von mir nach Fertigstellung des Lexikons einen Fragebogen mit folgenden Fragen:  

  • Was bedeutet für dich dein Heimatland Niederösterreich?

Hier kamen unverändert zu den Selbstbeschreibungen zu Beginn des Projekts vorwiegend die Begriffe Freunde, Glücklichsein, Familie …  

  • Was gefällt dir an deinem Heimatland Niederösterreich am besten?

Hier konnte ich wieder diese Kluft zwischen den mehr und weniger begabten Kindern bemerken. Während die mehr begabten Schüler aus der Projektarbeit Wissen gespeichert hatten und Sehenswürdigkeiten, alte Burgen und Schlösser, schöne Städte und Natur angaben, beschränkte sich die andere Gruppe eher auf die unmittelbare Umgebung, auf die eigene Wohnung, die Freunde und Spielplätze.

  • Wohnst du gerne hier, oder würdest du lieber wo anders wohnen?

Diese Frage wurde ausnahmslos von allen Kindern mit  JA beantwortet.

  • Welche Sehenswürdigkeiten fallen dir ein, wenn du an Niederösterreich denkst?

Auch hier zeigten sich wieder die beiden Gruppen – die einen konnten durchaus einige Dinge aufzählen (vor allem Burgen und Schlösser, Blockheide…). Die weniger begabte Gruppe wies sich hier durch eher spärliche Kommentare aus, gab eher das wieder, was im Sachunterrichtsheft zu finden ist (Niederösterreich hat 4 Viertel, Bäume, Flüsse, etc…also nichts wirklich Konkretes)  

  • Was hat dir an unserem Projekt gefallen?

Es gab erstaunlicherweise kein Kind, der Klasse, das sich hier negativ geäußert hätte. Doch wieder ist der Unterschied der beiden Gruppen bei der Beantwortung zu erkennen. Während die einen die Frage mit einem einfachen ALLES beantworteten, gingen die anderen viel genauer auf die Frage ein. (Das Zusammenarbeiten mit meiner Freundin ;  das Arbeiten am Computer; das Nachforschen; das Ausarbeiten)  

  • Was hat dir an unserem Projekt nicht gefallen?

Hier kamen genau die Punkte, die ich erwartet hatte: das viele Schreiben, das Ausarbeiten, das Warten beim PC, das Wichtigste heraussuchen, aber in vielen Fällen fand ich hier nur einen Strich.  

  • Was hast du deiner Meinung nach bei unserem Projekt gelernt?

Ein Teil der Kinder beantwortete diese Frage lediglich mit dem Wort VIEL. Die anderen wurden hier schon sehr konkret – gaben hauptsächlich die selbst ausgearbeiteten Begriffe an. Einige gaben auch Computerwissen an.

  • Würdest du noch einmal an  so einem Projekt mitarbeiten?

Bis auf eine einzige Ausnahme äußerten sich hier alle Kinder positiv.